Montag, 9. Dezember 2024

Wie ich den Kastanien beim Sterben zu sah

Wie ich den Kastanien beim Sterben zu sah

1) 

Es wird Herbst, die Luft wird frischer, die Natur verfärbt ihre Blätter, so auch die Kastanien vor meinem Fenster. Alt und stolz und gleichzeitig schwach und krank. Seit einiger Zeit sind die Kastanienbäume in meiner Heimatstadt Hamburg krank. Das macht mich traurig. Nichts ist verlässlicher als die Kastanie vor meinem Fenster, die ihre Früchte abschmeißt, wenn der Sommer sich dem Ende neigt. Kinder und Erwachsene bleiben gleichermaßen stehen um sich die schönste unter ihnen auszuwählen. Ich kann sie nur zu gut verstehen. Ich liebe das Gefühl, dass eine frische Kastanie in meiner Handfläche hinterlässt. Das glatte, seidige und glänzende Gefühl beruhigt mich. Es macht mir Freude die Kastanie durch die Hände gleiten zu lassen und einen Moment nur dieses Gefühl zu haben. Keine Sorgen, keine Gedanken. Erinnerungen an meine Kindheit, als ich mit meinem Opa und altertümlichen Werkzeug Kastanienfiguren gebastelt habe. Tiere und Menschen, Fantasie und Realität.

Ich zwinge mich zurück ins hier und jetzt. Ich sitze an meinem Fenster und schüttle leicht mit dem Kopf, wenn ich an den Sommer denke.


Gefühle

Zum Thema Gefühle

Ich habe das Gefühl ich funktioniere nur noch.

Schaffen, schaffen, schaffen... Selbsthilfegruppe, Therapie, Sport, Arbeit...

Bloß keinen mehr enttäuschen, alles so machen, dass ich nicht negativ auffalle, dabei sein, irgendwie noch die Lustige Laute sein, die alle mögen und das zusammen sein bunter macht, aber irgendwie auch nicht, weil zu viel... 

Zitronen

Warum geh ich nicht einfach nach Amalfi?

Weil die Amalfi Küste kein Ort ist um einsam zu sein.

Den man allein besucht. Amalfi ist Leben. Hellgelbe Zitronen, Sonne, Geschichte, Geschmack und Liebe.

Erkenntnis

Ich werde nie gut genug sein, solange ich nicht schlank bin.

Erinnerungen

Hab ein Sonnensegel gesehen und an Dich gedacht.

Hab einen Milchkaffee getrunken und Deine Lippen geschmeckt.

Hab die Wellen rauschen hören und mich an Deine Stimme erinnert

Schwerelos

 

Was bleibt Dir wenn Du Dich von allem löst?

Von allen Konventionen? Allen auferlegten Normen?

Wer bist Du?

Wenn Du Dich nicht schon morgens beim 1. Tee die halbe Tablette Süßstoff in Deiner Tasse rechtfertigst?

Wie anstrengend muss Dein Leben sein?

Wie leicht könntest Du sein, wenn Du Dich lösen könntest?

Räume

Keine Ahnung wie ich hier her gekommen bin

Aber du bist da

Du und deine Freunde

 

Wir sitzen im obersten Stock

Am offenen Fenster mit Blick über den Kiez

Rauch steigt auf aus Deinem Mund und du zeichnest Kringel in den dunklen Nachthimmel

 

Wir kennen uns nicht lang und doch schon ewig

Du erzählst mir von deiner Musik und deinen Träumen

Ich höre zu

Lausche deiner Stimme, deinen Geschichten, der Musik von nebenan, dem rauschen der Straße und dem Trubel auf der Meile

 

Unsere Unterhaltung wird jäh gestoppt

Deine Freundin hat den Raum betreten, ist in unseren Raum eingetreten

 

Unbehagen klettert kalt in mir hoch, meine Wangen werden heiß und rot

Erwischt ohne etwas getan zu haben

Wir haben uns doch nur unterhalten

Ich bin diejenige, die in Euren Raum eingedrungen ist