Montag, 9. Dezember 2024

Wie ich den Kastanien beim Sterben zu sah

Wie ich den Kastanien beim Sterben zu sah

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Es wird Herbst, die Luft wird frischer, die Natur verfärbt ihre Blätter, so auch die Kastanien vor meinem Fenster. Alt und stolz und gleichzeitig schwach und krank. Seit einiger Zeit sind die Kastanienbäume in meiner Heimatstadt Hamburg krank. Das macht mich traurig. Nichts ist verlässlicher als die Kastanie vor meinem Fenster, die ihre Früchte abschmeißt, wenn der Sommer sich dem Ende neigt. Kinder und Erwachsene bleiben gleichermaßen stehen um sich die schönste unter ihnen auszuwählen. Ich kann sie nur zu gut verstehen. Ich liebe das Gefühl, dass eine frische Kastanie in meiner Handfläche hinterlässt. Das glatte, seidige und glänzende Gefühl beruhigt mich. Es macht mir Freude die Kastanie durch die Hände gleiten zu lassen und einen Moment nur dieses Gefühl zu haben. Keine Sorgen, keine Gedanken. Erinnerungen an meine Kindheit, als ich mit meinem Opa und altertümlichen Werkzeug Kastanienfiguren gebastelt habe. Tiere und Menschen, Fantasie und Realität.

Ich zwinge mich zurück ins hier und jetzt. Ich sitze an meinem Fenster und schüttle leicht mit dem Kopf, wenn ich an den Sommer denke.


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