Freitag, 21. November 2014

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Jeden Abend wieder, stelle ich Dir die gleiche Frage. Ob ich bei Dir übernachten kann. Das Telefon in meiner Hand zittert. Mir versagt beinahe die Stimme. Die Angst vor Zurückweisung und mit dem Schmerz alleine stehen gelassen zu werden ist wahnsinnig groß. Die ganze Situation ist so surreal. Wie oft habe ich gedacht, dass das schlimmste überstanden ist. Das ein klarer Cut, den Prozess der Verarbeitung anstößt. Sogar schneller beenden lässt. Nichts der gleichen ist passiert. Nur das Loch in meinem Herzen ist noch größer. Ein Loch, dass niemand füllen kann. Tränenüberströmt stehe ich schluchzend an meinem Auto, der Tränenschleier lässt die Einträge auf meinem Handy verschwimmen, Du meldest Dich nach nur einem Mal klingeln; meine Stimme zittert so sehr, dass Du mich nur mühevoll verstehen kannst; aber das ist auch gar nicht nötig. Seit Tagen erhältst Du Abend für Abend den gleichen Anruf. Seit Tagen schlafe ich in Deiner Nähe ein. Ein kleines Stück Geborgenheit. Liebe. Nicht alleine sein. Die Zeit in der ich nicht alleine schlafen kann vergeht. Der gemeinsame Verlust des Menschen den wir liebten; das Beenden der Beziehung die wir fast gleich lang hatten hielt uns zusammen wie Pech und Schwefel. Wir haben einander gebraucht. Uns in den schlimmsten Stunden gestützt. Du warst die Kraft die mir morgens zum Aufstehen gefehlt hat. Das ändert sich als Du mir Deinen neuen Freund vorstellst. Zunächst versuchen wir unser "wir" zu retten, aber mit der Veränderung, den Sonnenstrahlen die sich in Dein Gemüt schleichen, verschwinden auch unsere Gemeinsamkeiten. Das einst so innige Band unserer Freundschaft bekommt einen Riss, bis wir uns schließlich ganz entzweien. Ich mag an eine erneute Verknüpfung unserer Bande nicht denken; denn auch Du gehörst zu dem sehr traurigen Kapitel in meinem Leben. Ich habe mit uns abgeschlossen. Unsere Freundschaft liegt dort begraben wo auch die Gedanken an diese Abhängigkeit begraben liegen.

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